Die Web 2.0-Blase
Web 2.0 ist ein Begriff, der in groben Zügen ein Phänomen im World Wide Web beschreibt. Er bezieht sich auf die Kollaboration zig tausender Internetnutzer zur Erstellung gemeinsamer Inhalte. Er beinhaltet die sich immer stärker und offensiver ausbreitende Offenheit, mit der sich Menschen aus aller Herren Länder im Internet präsentieren. Er verzeichnet ein enormes wirtschaftliches Interesse verschiedenster Investoren an neuen, bisher nur eingeschränkt vorhanden gewesenen Produkten wie Online-Texteditoren, -Datenspeicher, -Videos und -Musik.
Entgegen des öffentlichen Enthusiasmus, den viele andere in der Internetbranche ungebrochen seit etwa 24 Monaten teilen, bin ich der Ansicht, dass dem “Web 2.0″ keine existenzielle Grundlage gegeben ist.
Das Internet ist eine Plattform, die ein enorm hohes Maß an freier Meinungsäußerung, Unabhängigkeit und Offenheit genutzt hat und weiterhin braucht. Diese Anonymität, die über viele Jahre immer wieder mit hohem Aufwand verteidigt wurde, verschwindet. Den anonymen Internetnutzer gibt es nicht mehr. Er schreibt Blogs. Er präsentiert sich auf MySpace, Facebook, Xing, StudiVZ, Orkut. Dadurch wird er berechenbar.
Viele große Unternehmen haben den Nutzen dieses neuen Willens zur Selbstdarstellung erkannt und nutzen ihn. Zielgerichtete Werbung ist eine Quelle der Kommerzialisierung, die sich daraus erschließen lässt. Viele dieser Präsentations-Plattformen haben sich jedoch gegen Werbung ausgesprochen. Konsequenterweise ließen sich die Investoren und Finanziers nicht davon abbringen, für unglaublich hohe Beträge Übernahmen durchzuführen. So fließen täglich viele tausend Euro in neue Internet-Startups, die ihre eigene Idee vom Reichtum haben. Sie kopieren ein Produkt nach dem anderen.
Problematischerweise nehmen die meisten Internetnutzer Werbung kaum mehr war oder nutzen diese nur im eingeschränkten Umfang. Sie wird meistens nicht als hilfreiches Angebot, sondern als zwangvolle Aufforderung verstanden. Daher sind die meisten Portale und Communities auf Druck Ihrer Investoren dazu übergegangen, aus den Profilen Ihrer Benutzer Hinweise auf deren Vorlieben und Abneigungen, Interessen und Wünschen zu ziehen. Selbstverständlich fließen alle automatisch ermittelten Informationen unverzüglich in die Gestaltung und Einblendung der Werbung ein. Dies soll eine hohe Rate des Return of Investments garantieren.
Hier kommt nun die Blase ins Spiel: Wird dieser ROI überhaupt erreicht? Existiert eine alternative Einnahmequelle außer Werbung? Wie sollen die Inhalte, die Benutzer zur Verfügung stellen, sonst zu Geld gemacht werden? Wie komme ich an meine 100 Mio USD, die ich für Zip-A-Dee bezahlt habe?